OFFENER BRIEF

Ein EULALIA THE OOVL Comic von Vera Liesmann über Asperger-Autismus.
Asperger_Linie
Ein EULALIA THE OOVL Comic von Vera Liesmann über Asperger-Autismus.
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Ein EULALIA THE OOVL Comic von Vera Liesmann über Asperger-Autismus.
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Ein EULALIA THE OOVL Comic von Vera Liesmann über Asperger-Autismus.
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Asperger-Autismus und Kinder

Der hübsche Junge kommt jetzt gerade auf’s Gymnasium.
Der Brief wird ihm hoffentlich helfen, seine Situation den Mitschülern zu erläutern, sie zu sensibilisieren und aktiv mit seiner Diagnose “Asperger-Autismus” umzugehen.
Wenn man nicht so funktioniert wie seine Mitschüler, kann die Schulzeit eine harte Aufgabe werden. Ich wünsche ihm verständnisvolle Mitmenschen, solange er sie sich noch nicht immer ausuchen kann.

Hier nochmal der Brief als Text:

Hallo,

mein Name ist Falk, und ich möchte dir gerne etwas über meinen Asperger-Autismus erzählen!
Autismus, das heisst, dass uns ein paar Dinge grundsätzlich voneinander unterscheiden.
Lass mich kurz erklären, was ich damit meine!

Stell dir eine Tasse vor.
Diese Tasse stellt mich dar.
Die Tasse füllt sich so langsam mit allen Reizen, die auf uns treffen.
Das können Geräusche sein, Berührungen, Licht, Gerüche, Stress-situationen.
Irgendwann ist die Tasse voll,und alles, was eigentlich hinein müsste, läuft sozusagen über.
Wenn das passiert, dann wird mir alles zu viel und ich „funktioniere“ nicht mehr richtig. Ich kann mich dann zum Beispiel auch nicht mehr konzentrieren, und manchmal werde ich auch wütend.

Jemand, der kein Autist ist, hat keine Tasse, sondern einen Eimer.
Klar, dass in so einen Eimer viel mehr Reize hineinpassen als in eine kleine Tasse, deswegen bin ich deutlich schneller überreizt als jemand ohne Autismus.

Menschen ohne Autismus haben auf ihrem Eimer auch noch ein Sieb, der viele Reize einfach heraussiebt.
Es werden nur wichtige Reize durch das Sieb gelassen. Zum Beispiel die Musik, die man hören möchte, die geht durch, aber das Ticken der Uhr wird nicht wahrgenommen, das wird herausgefiltert.
Auf meiner Tasse ist kein Sieb. Alle Reize gehen einfach in die Tasse hinein, und bringen das sowieso schon kleine Gefäß noch schneller zum Überlaufen. Ich höre die Musik, das Ticken der Uhr, das Rascheln von Papier, das laute Atmen eines anderen Menschen neben mir, und vieles andere.
Und all das füllt meine Tasse wirklich sehr schnell.

Dann ist da noch die Sache, dass Du eine Fremdsprache beherrschst, die ich nur sehr schlecht verstehen kann. Damit meine ich nicht englisch oder französisch oder türkisch, sondern die Körpersprache.
Ich kann sehr schlecht erkennen wenn du traurig bist, wenn du wütend, gelangweilt bist. Ich kann natürlich am Gesicht erkennen dass du lachst oder weinst, aber wenn du traurig bist und trotzdem lachst, dann sehe ich nur das Lachen und kann die Traurigkeit nicht erkennen.

Das muss man sich vorstellen wie bei Katzen und Hunden, die sprechen nämlich auch eine unterschiedliche Körpersprache. Der Hund kann nicht erkennen, was die Katze ihm sagen will, weil beide nicht exakt die gleiche Sprache sprechen.
Ihr könnt euch bestimmt vorstellen, wie die beiden nun aneinander geraten.

So kann es mir auch mal gehen. Wenn das passiert, dann möchte ich keinen ärgern, sondern kann nur nicht richtig erkennen, was los ist.

Und deswegen brauche ich deine Hilfe!
Sag mir bitte immer genau, was du wirklich meinst.
Wenn du merkst, dass ich etwas falsch verstanden habe, hilf mir bitte, es richtig zu verstehen.

Vielleicht siehst du irgendwann, dass Kinder mich hänseln, weil ich manches anders mache als die meisten anderen. Das macht mich genau so traurig wie es jeden anderen traurig machen würde. Deswegen würde es mich freuen, wenn du mich gegen die hänselnden Kinder unterstützen könntest. Ich werde genau das gleiche auch für dich und andere tun, denn ich hasse Ungerechtigkeit!

Wenn meine „Tasse voll“ ist, dann ziehe ich mich auch gerne mal zurück um alleine zu sein. Das ist nicht böse gemeint, damit versuche ich mich vor weiteren Überreizungen zu schützen. Das hilft mir, bald wieder mit Dir und den anderen Kinder zusammen sein zu können.

Wenn Du noch Fragen dazu hast, dann frag mich ruhig. Manchmal kann ich das zwar auch nicht so gut beantworten, aber dann werde ich das meinen Eltern sagen, damit sie es mir erklären können.

Ich freue mich schon darauf, mit dir in einer Klasse zu sein!

Dein Falk

5 thoughts on “OFFENER BRIEF

  1. Hallo Vera,
    ich wollte mal anfragen, ob du meine Email bekommen hast?
    Ich würde den Asperger-Comic gerne als Vorwort in meinem nächsten Buch verwenden. Ich habe bereits ein Buch zum Thema geschrieben (“Diagnose Asperger – und jetzt?”) und schreibe nun an der Fortsetzung. Der Comic würde sich sehr gut als Einleitung eignen.
    Über eine Rückmeldung würde ich mich freuen!
    Viele Grüße
    Stephanie Fischer

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